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FREE THE T(H)REE - Soliaktion
Sonntag, den 13. Dezember 2015 um 14:04 Uhr
FREE THE T(H)REE

Free the T(h)ree

Die kapitalistische Maschine läuft weiter. Die Zeit tickt.
Ewig arbeitend und nie stillstehend, getrieben durch die Gier nach Geld, fräst sie sich in die Landschaft. Das Unheil kommt mit stetiger Geschwindigkeit auf uns zu. Am Ende des Tunnels ist Licht zu sehen. Von der Seite kommt unerwartete Bewegung ins Spiel. Es gibt Hoffnung.
Das Bollwerk ist massiv. Es umgibt uns, greift nach uns. Es schützt das Ich davor, das Bestehende, von dem es scheinbar untrennbar abhängt, infrage stellen zu müssen. Kein Wunder also, dass Aktivist*Innen regelmäßig auf die erpresserische Gewalt vom System abhängiger und das System erhaltender Ordnungshüter*Innen treffen, wenn sie versuchen, der kapitalistischen Maschine Sand ins Getriebe zu streuen. So war es auch bei mittlerweile vier Aktivist*Innen aus dem Hambacher Forst.

Einst war der Hambacher Forst 5500 Hektar groß. Er war ein Habitat seltener, ja gar bedrohter Tierarten. Seit 1977 musste der Wald, ein kompliziertes Ökosystem aus Bakterien, Pflanzen, Tieren und Pilzen, einer in Einheit mit dem Staat, also der Wirtschaft stehenden Kohlewüste weichen. Dieses sich in zweifacher Hinsicht als Quelle für Kohle in das Wirtschaftssystem einfügende Aschenloch ist bekannt als die größte Kohlendioxid-Quelle Europas. Damit treibt der Kohletagebau die weltweite Klimaerwärmung voran und verbaut uns damit unsere kollektive Zukunft.
Besonders betroffen vom Klimawandel sind vor allem ärmere Länder des globalen Südens. Die Grüne Jugend Hannover solidarisiert sich mit allen bis jetzt und in Zukunft an den Folgen des Klimawandels leidenden Menschen auf unserer gemeinsamen Erde. Aber auch die Bedrohung der Natur, sowohl im Hambacher Forst als auch weltweit, und das Leid der lokalen Bevölkerung durch Umsiedlungen und Feinstaubbelastung sollen nicht unerwähnt bleiben.
Aus diesen Gründen wird der Hambacher Forst seit 2012 von Aktivist*Innen besetzt. Seit 2013 ist auch die Wiese vor dem Hambacher Forst, die dem sehr engagierten Kurt Claßen gehört, besetzt. Ein sehr interessanter Artikel zum Geburtstag der Wiese findet sich hier: http://hambacherforst.blogsport.de/2015/11/19/wiesen-geburtstag/
Dabei waren die Aktivist*Innen immer wieder mit sehr aggressiven Polizist*Innen und Security-Angestellten konfrontiert. Zum Schutz der wirtschaftlichen Interessen von RWE wird mit Gewalt und Inhaftierung gegen Aktivist*Innen vorgegangen, obwohl das Handeln des Staats nur seine eigene Torheit widerspiegelt. Im Roman „A Friend of the Earth“ von T. C. Boyle werden die Umweltzerstörer von den Aktivist*Innen als Kriminelle bezeichnet.
Im Oktober wurden drei Aktivist*Innen aus dem Hambacher Forst festgenommen und dabei durch Polizist*Innen und Security-Angestellte verletzt. Mr. Blue, der unter anderem ein gebrochenes Handgelenk davontrug, wurde bis jetzt medizinische Versorgung verwehrt. Die anderen Beiden  erlitten eine Platzwunde und eine gebrochene Nase. Den Aktivist*Innen wird unter anderem Körperverletzung vorgeworfen. [1,2,3,4]

Aufgrund dieser Repression hatten die Aktivist*Innen Anfang November zu Soli-Aktionen unter dem Motto „Free the t(h)ree“ aufgerufen. [5] Daraufhin wurden viele Bilder mit Botschaften der Solidarität geschossen. [6] Um unsere Solidarität zu zeigen, haben wir das oben stehende Foto geschossen.
Seit Ende November befindet sich ein*e vierte*r Aktivist*In in Gewahrsam, weil sie/er in Köln an diesem Tag angeblich Ladendiebstahl im Wert von wenigen Euros begangen habe.
Außerdem wurde ein Besuch bei Mr. Blue im Gegensatz zu einem Besuch der anderen beiden Aktivist*Innen unter merkwürdigen Ausreden bis jetzt verhindert. [7]
Diese Vorgänge zeigen, dass es sich nicht mehr um die Ausführung rechtlicher Pflichten durch Beamte handelt, sondern um den Ausdruck persönlichen Hasses gegenüber den Aktivist*Innen. Die Beamten der Polizei missbrauchen ihre Macht zur Strafverfolgung, um Aktivist*Innen zu unterdrücken und damit das wirtschaftliche Interesse von RWE zu schützen. Dabei ist eine Kooperation der Polizei und des Innenministeriums mit RWE zu beobachten. [8]
Dass die Verstrickungen zwischen Wirtschaft und Politik eng sind, zeigt auch dadurch, dass der Kohlekompromiss allein zwischen ranghohen Politikern von SPD und CDU, insbesondere Sigmar Gabriel, der IG BCE und den großen Energiekonzernen ausgehandelt wurde. [9] Da entscheiden also eine Handvoll mächtiger größtenteils Männer über die Freisetzung Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxids. Und es sind genau jene Mächtigen, die sich weltweit als Klimavorreiter darstellen. Wir fordern eine basisdemokratische Gesellschaft, die selbst entscheidet, wie und in welchem Ausmaß Strom produziert wird.

Erfreulicherweise wurden zwei der im Oktober Inhaftierten am 10. Dezember entlassen. [9] Trotzdem sind noch zwei Aktivist*Innen gefangen und müssen die ungerechtfertigte Inhaftierung erdulden. Wahrscheinlich werden weitere politisch Aktive gewaltsam festgenommen und inhaftiert werden.
Der Kapitalismus grenzt die Individuen aus, die sich ihm widersetzen. Es hilft nur, weiter Sand ins Getriebe zu werfen. Steter Tropfen hölt den Stein.

Wie Ihr Mr. Blue Briefe schreiben könnt, denn die Haft kann sehr langweilig sein, könnt Ihr hier nachlesen: https://abcrhineland.blackblogs.org/briefe-letters/

Quellen:
 

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